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PRESSEMITTEILUNG 02/2008

"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein: Neue Werte braucht das Land"

Die Wertefrage im Mittelpunkt des Hilton Talk in München

„Sind uns materielle Werte wichtiger als ethische Normen?“ Mit dieser Frage leitete Michael Märzheuser den Hilton Talk im Hilton Munich Park ein und beschrieb mit ihr den allem Anschein nach fortschreitenden Werteverlust in der Bevölkerung. Die Angst der Menschen vor einer ungewissen Zukunft sei gegenwärtig fast überall zu spüren. Klar für ihn sei, „dass sich von allein nichts zum Guten wenden wird.“ Jeder einzelne sei deshalb aufgerufen, die Gesellschaft „wertvoll“ mitzugestalten. Zum Hilton Talk hatte er drei Gesprächspartner geladen, die genau dies tun: Dr. Michael Wiehen ist der ehemalige Vorsitzende von Transparency International Deutschland und Träger des Bundesverdienstkreuzes, Carola Krone leitet die Heinz und Mia Krone-Stiftung und Dr. Hermann Breulmann ist Kirchenrektor St. Michael in München. Vor allem einen Eindruck hinterließen die Drei bei den Gästen: In einem an stetigen Negativismus gewöhnten Land waren die Gespräche von einer positiven Grundstimmung getragen und zeigten, dass es mit Deutschland vielleicht doch nicht so schlecht steht, wie oft behauptet wird.

Im ersten Gespräch gab Dr. Michael Wiehen vor dem Hintergrund der Bestechungsskandale bei Siemens und VW einen Einblick in die Korruptionsbekämpfung. Der Jurist, der von 1998 bis 2001 Vorsitzender von Transparency International Deutschland war, anschließend bis Oktober 2007 dem Vorstand angehörte und seitdem dort Ethikbeauftragter ist, wurde 2007 für seine Verdienste in der nationalen und internationalen Korruptionsbekämpfung das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. „Bestechung ist schädlich, zerstörerisch und zersetzt die Moral in der Gesellschaft“, stellte Wiehen gleich zu Beginn fest. Korruption, die sich durch sämtliche gesellschaftliche Schichten ziehe, definierte er dabei als „Missbrauch eines Amtes zum eigenen Nutzen.“ In Deutschland sei der Hang zur Bestechung trotz der aktuellen Fälle jedoch nicht auf dem Vormarsch. „Hierzulande hat vielmehr ein Umdenken begonnen: Viele Menschen haben sich darauf besonnen, sich nicht allein auf materielle Güter zurückzuziehen, sondern sich auch zu engagieren.“ Das Materielle sei dann nicht mehr so entscheidend, wenn man sich statt der kurzfristigen Konzentration auf die unmittelbare Genugtuung auf langfristige Ziele verlege. Wiehen, der über 35 Jahre bei der Weltbank in Washington D.C. arbeitete, wünschte sich deshalb einen Wert, der hilft, „dass jeder so lebt, als ob die Zukunft davon abhängt.“

Gutes für die Zukunft tun - das ist auch das Ziel der gut 15.000 Stiftungen in Deutschland. Eine davon, die Heinz und Mia Krone-Stiftung, leitet Carola Krone, die zweite Gesprächspartnerin des Abends. Die Einrichtung kümmert sich um die Wiedereingliederung von Rollstuhlfahrern. „Behinderte sollen aber nicht auf ein Podest gehoben werden, sondern als normal angesehen werden“, betont sie. Zurück geht die Stiftung auf Krones Eltern, Heinz und Mia Krone. Veranlasst durch das persönliche Schicksal der Familie – der Vater saß im Rollstuhl – unterstützt die Organisation Menschen, die ein ähnliches Schicksal erleiten und nicht die finanziellen Mittel haben, um ihr Zuhause behindertengerecht einzurichten. Krone ist dafür auf Spenden angewiesen: „Es gibt viele Möglichkeiten, um auf ehrliche Weise an das Geld anderer Leute zu kommen“, sagt sie augenzwinkernd in ihrer erfrischenden Art. Sie habe hier aber ihre ganze eigene Vorstellung: Krone bittet nicht darum, den Rollstuhlfahrern zu helfen. Vielmehr appelliert sie an die Dankbarkeit und den Demut all jener Menschen, die gesund sind. Und das passt genau zu dem Wert, den sie selbst als am wichtigsten empfindet: „Gerechtigkeit“.

Den Begriff „Wert“ mag der dritte Gesprächspartner, Dr. Hermann Breulmann, nicht: „Zu abstrakt, zu neu.“ Das Wort „Kompass“ gefällt dem Pater, der vor mehr als 30 Jahren in den Jesuitenorden eintrat und seit 2004 Kirchenrektor in St. Michael in München ist, viel besser: Als eben solchen versteht er beispielsweise die zehn Gebote, „weil sie Sicherheit geben.“ Gleichzeitig verschweigt Breulmann aber nicht dessen Kehrseite: „Ein Kompass kann einen auch in schwere Gewässer bringen.“ Für ihn habe der Welthass – die „Ich-hasse-diese-Welt“-Einstellung – das größte Unglück gebracht. Deshalb wünsche er sich, dass sich wieder eine Zustimmung zur Welt entwickelt. Als Kompass gewinnt in Zeiten der Angst – zuletzt während des Irak-Kriegs zu beobachten - die Kirche an Bedeutung. Religion und Glaube versteht Breulmann dann als Angebot, vor allem in prekären Situationen zu leben und zu überleben: „Es ist die Frage nach einem stabilen Fundament und die Suche nach Trost.“ Religiös werde man aber erst, „wenn man einen Scheck ausstellt, den man selbst nicht decken kann“, sagte er und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Den Satz hatte er jedoch nicht nur wörtlich gemeint: „Sondern beispielsweise auch bezogen auf die Geburt eines Kindes, dem ja quasi ein Scheck auf die Zukunft ausgestellt wird.“ Auf die Frage nach seinem wichtigsten „Wert“ antwortete er mit einem Zitat aus dem Film „Das Beste kommt am Schluss“: „Es gibt eine Sache auf der Welt, auf die kommt’s an: Freude zu erleben und Freude zu schenken.“

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