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Am Rad der Geschichte - Medien, Skandale: Söder rät zu Augenmaß München – Erst die Totenkopf-Soldaten aus Afghanistan, ein Sexualstraftäter, der den Behörden in Sachsen buchstäblich aufs Dach steigt – in immer kürzeren Abständen prasseln empörende und verstörende Meldungen auf die Menschen ein. Was ist ein Skandal, was wird dazu gemacht? Über die Rolle der Medien in einem kritischen Zustand der Dauererregung diskutierten CSU-Generalsekretär Markus Söder, Horst Avenarius, Vorsitzender des Deutschen Rates für Public Relations (DRPR), und Hans-Jürgen Jakobs, der Leiter des Medienressorts der Süddeutschen Zeitung im Hilton-Talk. Titel der Runde: „Wer schreit hat Recht: Skandalisierung in den Medien“. Moderiert wurde die Talk-Runde im Hilton-Hotel am Tucherpark in München von Michael Märzheuser, Geschäftsführer der Kommunikationsberatung MärzheuserGutzy.
Einig waren sich die Talk-Gäste in ihrer Zurückhaltung angesichts vermeintlicher Skandale: „Heute gilt gleich alles als Skandal, egal wie unbedeutend ein Ereignis ist“, sagte Markus Söder. „Für mich ist ein Skandal ein handfestes juristisches, wirtschaftliches oder moralisches Fehlverhalten.“ Auch im Falle deutscher Soldaten in Afghanistan riet er zu Augenmaß: „Es ist richtig, dass die Angelegenheit aufgedeckt wird. Man muss sich aber auch fragen, ob durch die Art der Berichterstattung nicht die Sicherheit der Soldaten gefährdet wird, und überhaupt mal daran denken, wie es unseren Soldaten dort geht.“
Zustimmung erhielt er von Jakobs: „Man muss mit dem Begriff ‚Skandal‘ sehr vorsichtig umgehen“ Den Skandal als Tabubruch, den das Publikum auch als solchen empfinden muss, könnten die Medien nicht inszenieren. Auch Avenarius sieht die PR eigentlich in der Defensive: „Skandale entwickeln sich aus dem Geschehen heraus.“
Übereinstimmung zeigte sich auch beim Blick auf das Verhältnis von Politik und Medien. Der CSU-Generalsekretär: „Wenn die Politik immer nur das sagt, was die veröffentlichte Meinung von ihr erwartet, verliert sie ihre Authentizität, und es besteht die Gefahr, dass die Distanz zwischen den Gewählten und denen, die sie wählen, immer größer wird.“ Jakobs ermunterte die Politik zu mehr Authentizität – sie sollte sich nicht zu stark an den Medien orientieren. Und: „Sie muss den Mut zu mittel- und langfristigen Konzepten haben.“ Er warnte vor einer Selbstüberhebung der Medien: „Es gab schon immer eine Tendenz in den Medien, als Akteur mitzuwirken. Aber dass dies geplant wird und auch – etwa bei der Rechtschreibreform, – versucht wird, gemeinsam Themen zu setzen, ist neu“, so der Leiter des SZ-Medienressorts. „Hier gibt es eine Verlockung von Chefredakteuren, am Rad der Geschichte zu drehen.“
Quelle: BAYERNKURIER, 18. November 2006
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