Aus is statt o’zapft is
Münchens fünfte Jahreszeit ist zu Ende. Wenige Wochen, nachdem das berühmteste Volksfest der Welt seine Pforten geschlossen hat, ist die Stadt stiller geworden, die Wiesn-Touristen sind zurück in der Heimat und die Dirndl zum Überwintern im Schrank verstaut.
Zurück geht das Wiesn-Spektakel übrigens auf einen bürgerlichen Unteroffizier, der anregte, die Hochzeit von Ludwig von Bayern und Prinzessin Therese von Hildburghausen mit einem großen Pferderennen zu begehen. Jener Wettstreit – der Vorläufer des Oktoberfests also – ist auf den 17. Oktober 1810 datiert.
Die Idee entpuppte sich als wahrer Renner, bei dem auch die Freuden für den Gaumen nicht zu kurz kommen: Allein in diesem Jahr flossen an 16 Oktoberfest-Tagen mit 6 Millionen Besuchern 6,6 Millionen Maß Bier. Zudem mussten 104 Ochsen „dran glauben“. Rekorde wurden damit nicht gebrochen - dies erledigte vielmehr das Wetter: Die 175. Wiesn war das kälteste Münchner Oktoberfest seit Jahrzehnten. Kein Wunder, dass mit Erlaubnis der Stadt ab dem 1. Oktober statt Eis Glühwein verkauft wurde. Über 2.000 Liter wurden an durchgefrorene Wiesn-Gäste ausgeschenkt.
Die Hundskälte juckte die Besucher – ganz gleich, ob Wiesn-Touri oder Einheimischer – jedoch herzlich wenig. Nach einer Maß Bier – die kostete dieses Jahr durchschnittlich schlappe 8,13 Euro – und einem Tanz auf der Bierbank war das Wetter schnell vergessen. Nur eines vermochte der goldene Gerstensaft nicht: Die Sprachbarriere vollständig zu beseitigen. Denn auch wenn, wie das Institut für Demoskopie Allensbach herausgefunden hat, der bayerische Dialekt eine der beliebtesten Mundarten ist, kennen die Bayern Ausdrücke, die es so im Hochdeutschen ganz und gar nicht gibt. Damit Ihnen selbst die nächsten 337 Tage – dann erst geht das Oktoberfest wieder weiter - kein Bayer mit seiner Ratschkathl mehr die Sprache verschlägt, haben wir für Sie ein kleines Bayrisch A-Z mit den wichtigsten Vokabeln zusammengestellt:
A wie aufmandeln – sich wichtig machen, vor allem, wenn kein Platz mehr frei ist im Zelt
B wie Bazi – Gauner, Steigerung: Sau-Bazi
C wie Charivari – Schmuckgehänge an der Lederhos’n
D wie damisch – blöd, dumm, deppert
E wie Eigschnappter – beleidigte Leberwurscht
F wie frotzln – jemanden ärgern
G wie Gschuubsi – Freundin, Partnerin
H wie Hoggableiba – jemand, der partout nicht heimgehen will und auf der Bierbank sitzen bleibt
I wie Irxnschwoiz – den haben kräftige Kerle unter den Achseln
J wie Janker – Trachtenjacke
K wie Kuaze – eine kurze Lederhos’n
L wie lack – ein lackes Bier schmeckt abgestanden
M wie Minnga – für Auswärtige: München
N wie Noagerlzuzla – ein Noagerlzuzla trinkt stehengelassene Getränke aus
O wie oans, zwoa – gsuffa – Sie wissen schon, was zu tun ist, oder?
P wie Pratzn – riesige Hand
Q wie Quartl – Bei dem Preis für die Maß zwar kein Wunder, aber wer sich auf dem Oktoberfest nicht mehr als einen Viertelliter Bier genehmigt, hat gleich verspielt. Nur Noagerlzuzla sind schlimmer.
R wie Ratschkathl – eine schwatzhafte Frau, Steigerung: Quadratschn
S wie Schmatzerl – ein recht feuchtes Busserl
T wie Teifi – Teufel
U wie umma – komm doch mal her = komm doch mal umma
V wie vareckt – krepiert oder hinterlistig
W wie Wampn – g’standene Mannsbilder haben eine g’scheite Wampn – einen dicken Bauch
Z wie zupf di! – verschwinde, hau bloß ab, du!
Mehr Wiesn-Bayerisch, auch auf englisch, italienisch, niederländisch, chinesisch und schwedisch gibt’s hier.
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